Rumänien, Bulgarien, Griechenland - Eine Reise durch den "Hinterhof Europas"



Dienstag, 20. Juni 2006


Heute beginnt in gewohnter, straffer Zeitplanung unser Tag um 7:00 Uhr. Aufstehen, Chaos beseitigen, Gepäck verstauen, runtertragen und frühstücken. Leider ist auch in diesem Hotel das Frühstück eher nicht auf den österreichischen Gaumen ausgelegt, aber ok. Wie holen die Maschinen vom Parkplatz hinterm Hotel und Parken direkt vorm Eingang des selbigen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Wir ernten neugierige Blicke der im freien sitzenden Hotelgäste.

Wir haben uns dafür entschieden, quer durch Bulgarien zu fahren, neuerlich über Sofia Richtung Serbien. Es ist heute zum ersten Mal wirklich heiß, ich kann sogar auf die Jacke verzichten und nur mit meinem Protektorhemd fahren. Im großen und ganzen ist die Straße zwischen Sofia und Varna sehr gut ausgebaut und es fahren wenig LKWs.





Wir erreichen Sofia um ca. 15:00 Uhr. Bei einer Tankstelle kaufe ich mir Öl und fülle zum ersten mal nach ca. 3300 km Öl nach. Ich telefoniere mit Kristina, sie lädt uns ein noch eine Nacht bei ihr zu bleiben und erst morgen weiterzufahren.





Wir schlagen dieses Angebot allerdings aus und passieren um 17:00 die Grenze nach Serbien. Und zur Feier des Tages regnet es, aber Gott sei Dank nur 15 Minuten. Wir haben vor erst dann Rast zu machen, wenn wir müde sind. Und das wird nicht so schnell sein ;o)





Wir fahren über Pirot Richtung Nis. Ich kenne diese Strecke, Sascha, Rene und ich sind sie im Jänner 2005 gefahren. In irgendeiner Ortschaft, kann micht mehr genau erinnern, steht ein Umleitungsschild. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund, wahrscheinlich, weil ich es zu spät sah und zu schnell fuhr, bogen wir nicht nach links ab, sondern fuhren geradeaus weiter. Nach ca. 5 km standen wir am Ende einer LKW Schlange. Komisch. Wir fuhren an mehreren LKWs und der Polizei, die uns komisch ansah, vorbei. Uns kamen keine Autos entgegen also fuhren wir quasi als "Geisterfahrer" weiter, wie mans halt als Biker in Österreich auch macht. Nach ungefähr 3 km kam eine Ampel, die Grün zeigte, also fuhren wir. Und dann wussten wir, warum es ein Umleitungsschild gab. Die Straße war eigentlich nur für den Schwerverkehr gedacht, was erklärte, warum wir keine Autos sahen, denn sie wurde gerade Generalsaniert. Das sah ungefähr so aus: sie haben in großer Euphorie die mir aus dem Jahr 2005 desolat in Erinnerung gebliebene Straße weggerissen. Ok, das ist ja gut. Man muss nur dazusagen, dass die Straße wie sie erbaut wurde (keine Ahnung wann das war) in den Berg geschlagen wurde, mit vielen Naturtunnels. Sie verläuft die größte Zeit neben einem Bach. Jetzt ist der aufgebrachte Asphalt weg und was bleibt ist Schotter und viel, viel weißer Staub. Wir blieben nicht stehen, zwickten uns an LKWs vorbei und waren froh, als wir auf der anderen Seite heil rauskamen.

Dort war die Ampel für unseren Gegenverkehr rot. Es ist ein Wahnsinn, was diese LKW-Fahrer durchmachen müssen. Wir fuhren an einer ca. 10 km langen LKW Kolonne vorbei, die Fahrer sitzen teilweise zwischen den LKWs auf Campingsesseln, tratschen oder liebäugeln mit dem einen oder anderen leichten Mädchen. Sie warten darauf, dass sie durch das enge Tal fahren können, die meisten von ihnen fahren bis in die Türkei, was auch nachstehendes Bild erklärt, das irgendwo auf einer serbischen Landstraße aufgenommen wurde.


Mhhh... Türc Parki?

Christian und ich machen regelmäßig an den Tankstellen entlang der Autoput, die in Nis beginnt, Pause. An einer Tankstelle treffen wir einen türkischstämmigen Deutschen auf seiner BMW. Wir kaufen uns was zum trinken und gehen auf sein Wahnsinnsgefährt zu (siehe Bilderserie unten). Er begrüßt uns freundlich mit den Worten:"Wisst ihr, warum mein Vorderrad so klein ist?". "Nein!?", Christian und ich schauen uns fragend an. "Weil ich so viel bergab fahre!". Wir sind ratlos und stehen einen Moment lang da und schauen uns an, bis Chritian ihm die Hand reicht und uns vorstellt. Der Mann heißt Osman, kommt aus dem Raum Kölln (glaub ich) und fährt wie wir von seinem Urlaub heim. Er war in Südost Anatolien. Dann zeigt er uns voller Stolz seine Maschine.


BMW R 1100 R, die "kleine Schwester" der GS




Selbstgemachte und -montierte Aluboxen


Das scharfe Heck


Osman






Christian und Osman


Christian und ich

Osman ist ein geselliger Kerl und sehr nett. Er erzählt uns von seiner kleinen BMW, seiner Tour durch seine Heimat und dem Umbau seines Motorrades. Er hat wirklich alles auf seinem Motorrad mit, erzählt uns, dass er nur ganz selten in einem Hotel schläft sondern entweder auf seinem Bock oder daneben. Wir beschließen ein Stück zu dritt weiterzufahren. Unsere Wege trennen sich dann mitten in der Nacht nach Belgrad, wo wir nach Novi Sad abbiegen und Osman Richtung Kroatien weiterfährt.

Als der Tag fast vorbei ist, passieren wir eine der drei Mautstellen in Serbien, die uns insgesamt für jedes Motorrad 27 Euro abgeknöpft haben.



Zwischen Novi Sad und Horgos, dem Grenzübergang zu Ungarn herrscht Stille. Kein Auto weit und breit, nur vereinzelt stehen Polizisten und messen die Geschwindigkeit. Es ist stockfinster rundherum und ich blicke in den Himmel. Es ist ein Wahnsinn, wie viele Sterne man sieht, wenn ringsum kein Licht brennt. Ich bleibe kurz stehen um den Anblick zu genießen, fahre aber rasch wieder weiter um Christian nicht zu verlieren.

Mittwoch, 21. Juni 2006

Es ist schon nach Mitternacht, als wir die Grenze nach Ungarn passieren. Ungarn ist wie bei runterfahren ein eher statisches Erlebnis. Wir machen hin und wieder Pause bei den Tankstellen an der Autobahn. Es ist 4:14 Uhr Morgens, schon etwas kalt aber noch angenehm zum fahren. Sicher sind wir erschöpft, aber sich hier noch ein Hotelzimmer nehmen wollen wir auch nicht.





Eine gute Stunde später machen wir wieder Pause an einer Tankstelle. Mittlerweile drückt der Schlaf zunehmend und ich beschließe, einfach mal einzuschlafen ;o)





Nach einem anständigen Mützchen gehts weiter, aber irgendwann biegt Christian von der Autobahn ab, fährt eine einsame Straße entlang bis zu einem Feld und dann das:





Jeder, der diese Fotos sieht, glaubt dass sie gestellt sind. Sind sie aber nicht. Christian ist von seiner Harley abgestiegen, hat sich die Isomatte geschnappt, noch ein bisschen geflucht, weil sie nicht liegengeblieben ist und sich dann hingelegt und ist postwendend eingeschlafen. Für eine Stunde drang dann ein leichtes Schnarchen durch die Pusta. Ich ging derweilen ein bisschen umher und schaute, wies meiner Kette geht. Sie ist zumindest noch da!!

Jetzt waren wir wieder "ausgeschlafen" und bereit, die ganze Welt zu umfahren. Wir kamen weiterhin gut voran, der Verkehr nahm aber stätig zu. Wir blieben weiterhin ungefähr stündlich stehen um Pause zu machen, was auch nötig war nach ca. 1200 km im Sattel.


Munter ist anders...


Auch nicht besser...


Ohne Worte...

Kurz nach 9:00 Uhr trafen wir in Nickelsdorf an der Grenzstation ein. Die vergangenen zwei Wochen liefen in meinem Kopf wie ein Film nochmal ab, die Fahrt durch Ungarn, die Regengüsse, die Straße ohne Wiederkehr in Rumänien, Sofia, Griechenland, die Tage am Strand und alle Menschen die wir kennenlernten, die Kinder in Rumänien und Bulgarien, die uns vom Straßenrand zugewunken haben, die Polizisten in Montana, die gerade einen LKW stoppten und ein Hupkonzert veranstalteten, als wir vorbeifuhren und sich freuten wie kleine Kinder, all das. Ich lachte in meinen Helm, als ich die österreichische Grenzstation sah. Christian bog links ab, zu dem Café auf der ungarischen Seite, wo wir vor 12 Tagen schon saßen und Kaffee getrunken haben. Hier endet unsere gemeinsame Reise, das kleine Abenteuer durch "den Hinterhof Europas", hier wo es begonnen hat. Wehmütig blicke ich auf die Autobahn zurück, auf der wir gerade gefahren sind. Es ist ein Gefühl, dass einfach unbeschreiblich ist. Ich bleibe einen Moment lang still stehen, danke Gott, dass uns nichts passiert ist. Wir reisen nach Österreich ein und ich gehe tanken. Hier verabschieden wir uns, Christian und ich fahren getrennte Wege nach hause.

Bis bald, mein Freund. Bis bald...





Die Tage danach -->

<-- Samstag, 17. Juni bis Montag, 19. Juni 2006

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